Heilig Rock Wallfahrt 2012

                        

Was ist am Ökumene-Tag der Heilig-Rock-Wallfahrt anders als an den anderen Wallfahrtstagen?

Die Teilnehmer des Ökumene-Tages  pilgerten nicht zu der im Trierer Dom ausgestellten Textilie, sondern sie pilgerten von ihr weg: Ihr Weg begann im Dom und endete in der  evangelischen Konstantinbasilika in einem großen, völlig verregneten Tauferinnerungsgottesdienst.

Lutheraner und Unierte, Orthodoxe und Freikirchler und  auch der Rat der Christlichen Kirchen in Luxemburg hatten die Einladung von Bischof  Stephan Ackermann angenommen, gemeinsam eine „Christuswallfahrt" zu
unternehmen.

   
 Im Zentrum stand beim Ökumenetag zur Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 in Trier „das Anliegen der Einheit, dass wir zusammengeführt werden, über die Grenzen der Konfessionen hinweg", wie es der  Trierer Bischof Ackermann formulierte. Schon heute seien die Christen aller Konfessionen durch das  Geschenk des Glaubens und der Taufe miteinander verbunden, so ungeteilt wie der sogenannte "Heilige Rock".
Zum Ausdruck kam das auch bei einer farbenprächtigen Prozession durch die  Straßen der Innenstadt. Hinter zwei großen Ökumenefahnen zogen Bischöfe, Pfarrer und  Priester zunächst zum Innenhof des Priesterseminars und dann in die evangelische  Basilika. Dort deutete der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz die  Taufe als Kleid der Christen: „Ihr alle habt Christus angezogen wie ein Kleid", sagte  Christian Schad. Er erinnerte daran, dass vor 500 Jahren der Heilige Rock in Trier zum  ersten Mal ausgestellt wurde. Luther sprach damals von einer „Bescheißerey". „Bischof  Ackermann, Sie haben den Rock als Christuszeichen gedeutet, so dass wir nicht zu  einem Kleidungsstück pilgern, sondern zu Christus selbst kommen", sagte Schad an den  Trierer Bischof gewandt. Dadurch könnten sich nun auch Protestanten an der Wallfahrt  beteiligen.
Die Ökumene hat in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. Der Bischof der  konservativen Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Hans-Jörg  Voigt, wirkte am Ökumene-Tag mit, und Vertreter der die Kindertaufe ablehnenden  mennonitischen Gemeinden beteiligten sich am Tauferinnerungsgottesdienst. Beides  wäre noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen. Doch Schad erinnerte in seiner  Predigt auch daran, dass die Ökumene immer ein „Näherungsprozess" sei.
„Ökumenische Elementarerfahrungen machen wir, wenn wir uns gegenseitig mit offenen  Armen begegnen", sagte Schad. Besonders hob er dabei die Situation der  konfessionsverschiedenen Ehepaare hervor. „Sie praktizieren im Alltag  Kirchengemeinschaft und dürfen nicht länger die Stiefkinder der Ökumene sein." Es  schmerze, dass die Kirchen noch nicht am Tisch des Herrn vereint seien. Doch die  Erinnerung an die eine Taufe mache Mut, geduldig und beharrlich unterwegs zu bleiben.  Und die AG Christlicher Kirchen in Rheinland-Pfalz und im Saarland forderte die  Gottesdienstteilnehmer auf, sich in ihren Gemeinden weiter für die Ökumene  einzusetzen.