Klagen

 

Janusz Korczak: Gebet der Klage

Verlassen hast du mich, mein Gott, womit bin ich an dir schuldig geworden? Jetzt bin ich einsam, und ich weiss keinen Weg. Verirrt habe ich mich in trüber Dämmerung, verirrt im düsteren Dickicht des Lebens. Verlassen hast du mich, mein Gott; habe ich dir denn Ärgernis gegeben?

Einsam irre ich und voller Sorgen. Ein Licht blinkt auf; weiss ich denn, ob es ein Haus ist oder ein Irrlicht. Ich sehe eine Quelle; aber weiss ich denn, ob das kein Trugbild meiner Sinne ist. Vertrocknet sind meine Lippen, wenngleich Finsternis herrscht, die wie die Sonne brennt oder vielleicht gefrieren macht; vielleicht kommt das Feuer, das in mir ist, ihr von innen entgegen. Ich weiss es nicht.

Wodurch habe ich mich schuldig gemacht an dir, mein Gott, dass du gerade jetzt nicht da bist, wenn meine Füsse sich in Dornen verschlingen und Hände und Herz mir bluten? Ich rufe: „Ihr Menschen!" - Keine Antwort. Ich rufe: „Mutter." Auch nichts. Mit meinem letzten Ruf schreie ich hinaus: „Gott." Und was ist? Nichts - ich bleibe allein. Gib mir den Engel der Trauer. Nicht um Freude bitte ich, nicht um grüne Gipfel, nicht um blaue Träume noch um geflügelte Strahlengarben. Wenigstens Trauer, denn ich bin wieder so allein, so ganz allein, soll ich denn weiter umherirren, mich durch das Dickicht hindurchschlagen und im Dunkeln bluten?

                                                                                     wasserlauf berge