Lesungen

Menschen zum Glauben rufen und Kirche bauen kann nur die Predigt, die sich auf ein Bibelwort bezieht. Gottes Offenbarung ist in der Bibel bezeugt und allein sein Wort ist Maßstab aller kirchlichen Verkündigung.  Die sonntägliche Predigt  bezieht sich i.d.R. auf einen dem jeweiligen Sonntag zugeordneten Abschnitt der Bibel. Diese Abschnitte werden auch mit dem aus dem Griechischen kommenden Wort "Perikope"  bezeichnet. Diese Perikopen gehen zum Teil bis ins 4. und 5. Jahrhundert zurück. Ihr Sinn ist ganz einfach gesagt, die Fülle der christlichen Botschaft im Laufe eines Jahres Stück für Stück, Abschnitt für Abschnitt, zu entfalten. So hat jeder Sonntag sein ganz eigenes Thema und Gepräge.

Die jeweiligen Texte sind in der sog. Perikopenordnung festgeschrieben. Sie enthält eine Ordnung der Predigttexte und Leseabschnitte (Schriftlesung) für die Gottesdienste. Diese Texte gelten als verbindliche Vorgaben für die Gottesdienste an den jeweiligen Sonn- und Feiertagen. Es liegt jedoch weithin in der Hand des Verantwortlichen, wie sie eingesetzt werden. Bestimmte Texte machen zu bestimmten Anlässen wie Familiegottesdiensten oder Festgottesdiensten weniger Sinn als andere. Doch ist eine Zusammenstellung von Bibelabschnitten, die in den Gottesdiensten zur regelmäßigen Lesung bzw. Behandlung in der Predigt sinnvoll, damit der Prediger Gottes Wort unabhängig vom Zeitgeist und den Strömungen in einer Gemeinde frei und offen verkündigen kann und den Menschen nicht nach dem Munde redet.

Gelesen werden die Schriftlesungen und Predigttexte oft von Gemeindegliedern und Kirchenältesten. Es gibt dabei keine festen Regeln, aber es ist guter Brauch Altes und Neues Testament und Abschnitte aus den Episteln zu lesen.
Insgesamt gibt es sechs Perikopenreihen (römisch I - VI). Eine Reihe ist für ein Kirchenjahr, also vom 1. Advent bis zum Ewigkeitssonntag. Sie ordnet jedem Sonn- und Feiertag die Lesungen für Evangelium (immer aus Perikopenreihe I), Epistel (immer aus Perikopenreihe II) und AT, sowie den Predigttext (aus der jeweils aktuellen Perikopenreihe) zu. Während der Geltung von Perikopenreihe I sind also der Evangelientext und der Predigtext identisch; während der Geltung von Perikopenreihe II der Episteltext und der Predigttext. Nach sechs Jahren beginnt der Zyklus von vorn. Zur Zeit (2012) werden die Perikopenordnungen in den evangelischen Kirchen leicht überarbeitet, so dass diese sich in absehbarer Zeit verändern werden

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