Geschichte

  Erst die französische Revolutionsgesetzgebung brachte Ende des 18. Jhdts. den bis dahin erbittert verfolgten Protestanten in Luxemburg  (und Juden) das freie Niederlassungsrecht. Die Andersgläubigen standen aber bis Mitte des 20. Jh. immer unter dem Verdacht der Häresie und mussten bis in die jüngste Vergangenheit mit Vorurteilen und Xenophobie kämpfen. So blieb der Zustrom von Protestanten anfänglich klein. Mit König-Großherzog Wilhelm I. von Oranien-Nassau erhielt das Land 1815 einen evangelischen Monarchen. Den zahlreichen evangelischen Soldaten in der Bundesfestung wurde 1817 die neben der Kathedrale gelegene Dreifaltigkeitskirche als Garnisionskirche überlassen. Sie war in den Zeiten der französischen Besatzung als Speicher und Theater genutzt worden und wurde notdürftig für den Gottesdienst wiederhergestellt. 1842 bildete sich neben der Militärgemeinde eine evangelische Zivilgemeinde, die sich mangels eigener Seelsorger der Militärgemeinde anschloss, doch zu einer staatlichen Anerkennung durch die seit 1839 selbständig agierende Regierung kam es nicht. Nach dem Abzug der Bundestruppen schloss sich die zurückbleibende evangelische Gemeinde 1868 mit der Unterstützung von Prinz Heinrich der Niederlande und seiner Gattin Prinzessin Amalia von Sachsen-Weimar der sächsischen Landeskirche an. Der Zivilgemeinde wurde 1868 die Garnisonskirche zur Nutzung überlassen und wuchs mit der Industrialisierung und Zuwanderung stark an. Mehre Predigtstellen und Zweiggemeinden kamen im Großherzogtum hinzu. 1887 wurde auch in Esch/Alzette eine evangelische Gemeinde gegründet und mit finanzieller Hilfe aus der Stadtgemeinde eine Kirche mit Nebenräumen und Pfarrwohnunn gebaut. Nach seiner Thronbesteigung (1890) ließ der evangelische Großherzog Adolph aus dem Hause Nassau-Weilburg 1894 die Satzung des evangelischen Konsistoriums im Gesetzesblatt veröffentlichen und errichtete so eine eigene unierte Luxemburger Konsistorialkirche, die vom Parlament anerkannt wurde. Der Großherzog berief 1913 den der Religionswissenschaftlichen Schule verbundenen Elsässer Theologen Dr. A. Jacoby als Hofprediger an die Dreifaltigkeitskirche. Dieser prägte die kleine evangelische Landeskirche  von Luxemburg bis zu seinem Tod im Jahre 1944 maßgeblich als eine unabhängige Kirche ohne nachaltige Verbindungen in die Nachbarkirchen. Der Gottesdienst hatte lutherische Prägung, die Kirche sollte aber nach dem Willen des Großherzogs allen zugewanderten Protestanten, gleich welcher Prägung, offen stehen. Sein Sohn Wilhelm IV. heiratete die katholische Prinzessin Maria-Anna von Braganza; alle Töchter wurden katholisch erzogen und seither ist das Luxemburger Herrscherhaus katholisch. Die deutschnationale Gesinnung des ab 1933 in Esch arbeitenden Pfarrer Erich Fuhr schadete dem Ansehen der Protestanten im ganzen Land, ebenso wie das Streben nach rechtlicher und finanzieller Eigenständigkeit der Gemeinde Esch im Süden des Landes. Eine fehlende Visitations und Kirchenordnung und eine ungünstige Personalpolitik sollte sich in der Nachkriegszeit für die Entwicklung der Evangelischen Kirche von Luxemburg als schwerer Nachteil erweisen. So konnte gleich nach dem Krieg der aus Luxembourg stammende Nic Housse traurige Geschichte schreiben, weil dieser nie eine theologische Ausbildung absolviert hat. Bis in den 1960er Jahren Pfarrer Päutz sich um die ökumenische Annäherung zwischen Katholiken und Protestanten verdient machte. Dank des Zustroms vieler Protestanten aus nördlichen EU-Mitgliedsstaaten erlebte die evangelische Gemeinde gegen Ende des 20. Jahrhunderts einen starken Aufschwung. Die Schaffung einer unabhängigen Reformierten Kirche in Esch unter dem aus der Pfalz kommenden Gerard Brubacher zementierte die Uneinigkeit zwischen den Protestanten bis in die Gegenwart hinein. Mit der Bildung einer Allianz der Protestantischen Kirchen wurde ein wichtiger Schritt unternommen, um die innerprotestantische Ökumene zu stärken und die Zusammenarbeit unter den verschiedenen internationalen Kirchen und Gemeinden zu fördern.